Watermedia Painting with Stephen Quiller

"Watermedia Painting with Stephen Quiller", 2008, Watson-Guptill Publications, ISBN-10: 0823096882 ISBN-13: 978-0823096886
"Watermedia Painting with Stephen Quiller", 2008, Watson-Guptill Publications, ISBN-10: 0823096882 ISBN-13: 978-0823096886

Kurzübersicht

Stephen Quiller ist für seine Farblehre (Stichwort "Quiller Wheel") und kräftigen Landschaften bekannt und erklärt auf 176 Seiten grundlegende Malweisen in Aquarell, Acryl, Gouache und Casein.

Hierbei geht er sehr detailliert auf das Thema Farbzusammenstellung, Palettenanordnung und die optischen Unterschiede zwischen den Maltechniken ein. Er vermittelt sein Wissen verständlich und auch trockene Passagen lesen sich gut weg (– dem großzügigen Zeilenabstand sei Dank).

 

Wer sich für seine Farbtheorie interessiert, sollte zu einem anderen Buch (z.B.: "Color Choices") oder DVD Workshop greifen. Auch Schritt-für-Schritt-Anleitungen sind im vorliegenden Buch rar gesät. Die Beschreibung „complete guide" ist daher irreführend.
Zu experimentierfreudigeren Malweisen mit Salz, Stoffen, Wachsstiften etc. wird zwar ermuntert, aber nicht weiter ausgeführt. Hier fehlen definitiv Abbildungen und Informationen um Wassermedien weiter auszureizen. Mir scheint, dass sich Quiller in diesem Buch ungern aus seiner Komfortzone heraus bewegt.

 

Als Einführung ist dieses Buch sehr gelungen und deckt viele Gebiete ab. Seine Werke sind der reinste Augenschmaus, wer jedoch auf eine "How to"-Anleitung hofft, wird enttäuscht.


Kapitel:

  1. Watercolor 
  2. Gouache, Acrylic, and Casein
  3. Essential Watermedia Supplies
  4. Essential Watermedia Techniques and Combinations
  5. En Plein Air Painting and Working Large
  6. Composition
  7. Solid Working Methods

Eindrücke und Kritik

Im ersten Kapitel liegt das Augenmerk auf Aquarell. Quiller stellt seine persönlichen Farbpaletten (12er- und 27er-Palette) und ihre Zusammensetzung vor. Farbstreifen (siehe Abb. 1) mit dazugehöriger Komplementärfarbe erläutern Mischverhalten, Lichtechtheit und besondere Eigenschaften. Erklärungen zum Unterschied zwischen an- und organischen Pigmenten und nicht-toxischen Ausweichmöglichkeiten, sowie optische Qualitäten von granulierenden und transparenten Farben runden das Thema ab.

 

Gouache, Acryl und Kasein werden auf den nächsten 35 Seiten abgehandelt. Quiller nutzt einen ähnlichen Aufbau wie im vorherigen Kapitel und gibt für jedes Medium Paletten und zugehörige Farbstreifen an und veranschaulicht optische Unterschiede (transparent, lichtdurchlässig, deckend). Sehr schön finde ich den Vergleich aller vier Wassertechniken auf einer Doppelseite. Besonders für Einsteiger gibt die Tabelle einen guten Überblick, um das nächste Projekt vorzubereiten.

 

Im gesamten Buch finden sich farbig unterlegte Anmerkungen,  "spirituelle" Gedanken von Quiller und Anregungen für Studien. Diese Aufgaben animieren zum experimentieren und stärken das Verständnis für das zuvor Gelesene.

Gerade im Bereich "Combining Watermedia with Drawing Media" hätte ich mir mehr Bilder und Einsatzmöglichkeiten gewünscht. Abgesehen von Kohle und Pastell, wird sehr offen gelassen wie die Resultate aussehen könnten.



"It is important to know your support well – especially what medium it is best suited for and what it can and cannot do." (S. 78, Absatz 1)

Grammatur und Oberflächenbeschaffenheit des Papieres müssen mit der Technik konform gehen, um ein gutes Ergebnis zu erhalten. Quiller gibt dazu Empfehlungen und springt dann zur Papierherstellung und den unterschiedlichen Medien (z.B.: traditionelles Aquarellpapier und Aquaboard).
Die Doppelseite zum Thema "Pinsel" liest sich ein gutes Stück weit wie eine Werbeanzeige. Obwohl er seine eigenen Pinsel vorstellt, lassen sich die Informationen auch auf andere Hersteller anwenden.
Übrigens: Eine kleine Anekdote zum Thema "Arbeitsmaterial und Qualität" findet ihr in meinem letzten Blogeintrag.

 

Das vierte Kapitel beschäftigt sich auf 13 Seiten mit den wichtigsten Techniken und ihren Kombinationen:

• Das abnehmen bzw. "lifting" der Farbe vom Untergrund

• Wassermedien in Kombination untereinander

• Wassermedien und Zeichenmaterial

Wie oben angesprochen hätte ich mehr Fülle und Varianz erwartet, allerdings sind die vorhandenen Techniken sorgfältig beschrieben.

 

Ab Seite 103 stellt der Autor Tips und Kniffe vor um im Freien zu arbeiten. Diese gelten für Tagestrips als auch Monatsreisen im Ausland. Sehr nützlich ist dabei die Rucksack-Liste um nichts zu vergessen und den Trip so stressfrei wie möglich zu gestalten. Es folgen Methoden um Papier für großflächige Malerei vorzubereiten. Schließlich beschreibt er die Schritte um die fertige Arbeit zu lackieren und dadurch vor äußeren Einwirkungen zu schützen. Meiner Meinung nach, richtet sich dieses Kapitel eher an Fortgeschrittene Maler.

 

Was macht eine gute Komposition aus? Dieses Thema hat mich im ganzen Buch am meisten positiv überrascht und ist Gold wert!

Quiller klärt anhand nachvollziehbarer Skizzen und Farbabbildungen über visuelle Werkzeuge auf (z.B.: Format, Linie, Geometrie, Weißraum, Balance, Rhythmus etc.), um Bildspannung zu erzeugen. Danach folgen aufschlussreiche Übungen um das abstrakte Sehen zu erlernen.


"The Art Spirit", Robert Henri, 85th anniversary edition, Basic Books, 2007
"The Art Spirit", Robert Henri, 85th anniversary edition, Basic Books, 2007

Im letzten Kapitel "Solid Working Methods" fasst Quiller den Malprozess zusammen und schafft es wieder einmal den Leser zu inspirieren. Er beginnt mit einer Diskussion über die Wichtigkeit von Skizzen und eine Auswahl seiner persönlichen Zeichenutensilien. Danach werden relativ oberflächlich die Arbeitsprozesse von Carla O'Connor, Frank Francese und George James beleuchtet. Nach einem Resümee ist das Ende in Sicht und ich fühle mich nach dem Zuklappen abgefüttert und zufrieden.

 

Auch wenn ich zwischen den Kapiteln mal mehr, mal weniger begeistert war, würde ich dieses Buch jederzeit wieder kaufen und kann es jedem empfehlen, der in die benannten Techniken einsteigen möchte.

 

PS:

Wer Stephen Quillers Weisheiten schätzt und auf der Suche nach spirituellen Denkanstößen ist, wird Gefallen an Robert Henris "Art Spirit", haben. Das Buch wird im letzten Kapitel erwähnt und ist für jeden angehenden Künstler interessant, der mit seinen Arbeiten mehr als reine Dienstleistung verbindet.

 

"He paints like a man going over the top of a hill, singing." (Robert Henri, The Art Spirit, S. 107)